Anleitung Übung: Validierung
Wenn ein Mensch das Gefühl hat, wirklich gehört zu werden – nicht bewertet, nicht korrigiert, einfach nur gehört – verändert sich etwas. Die Anspannung lässt nach. Raum entsteht. Das ist Validierung.
Validierung bedeutet, die Realität eines anderen Menschen als gültig anzuerkennen. Nicht weil man selbst dieselbe Sichtweise teilt, sondern weil jedes Erleben aus der Perspektive der Person, die es erlebt, seinen eigenen Sinn ergibt. Es ist eine der wirkungsvollsten Formen menschlicher Zuwendung – und gleichzeitig eine, die viele von uns nie wirklich gelernt haben.
Was Validierung eigentlich bedeutet
Validieren heißt: Ich versuche zu verstehen, wie du die Welt erlebst. Ich frage nach. Ich höre zu, ohne sofort eine Lösung parat haben zu wollen. Ich begegne deinen Gedanken und Gefühlen mit Respekt – auch dann, wenn ich die Situation vielleicht anders einschätze.
Es bedeutet nicht, automatisch recht zu geben oder die eigene Meinung aufzugeben. Es bedeutet, dem Erleben des anderen einen Platz zu geben.
Validierung verbindet Erkenntnisse aus Bindungstheorie, Emotions- und Entwicklungspsychologie sowie Neurobiologie miteinander – und ist damit weit mehr als eine kommunikative Technik. Sie ist ein zentraler Wirkfaktor in jeder bedeutsamen Beziehung.
Warum uns validieren so schwer fällt
Wenn jemand leidet, möchten wir helfen. Oft bedeutet das: erklären, relativieren, aufmuntern. Sätze wie „So schlimm wird es schon nicht sein“, „Du bist einfach zu sensibel“ oder „Reiß dich zusammen“ entstehen selten aus böser Absicht – sondern aus Hilflosigkeit, aus eigener Überforderung, oder weil man selbst nie erfahren hat, wie es sich anfühlt, wirklich gehört zu werden.
Solche Äußerungen bewirken aber oft das Gegenteil von dem, was man möchte. Der andere zieht sich zurück, fühlt sich unverstanden – und bleibt mit seinen Gefühlen allein.
Validierung in und für Beziehungen lernen
Eine validierende Haltung schafft Vertrauen, Nähe und echtes Verstehen. In der Einzel-, Paar- oder Familientherapie lässt sich diese Form der Kommunikation konkret üben – und wird oft zum Schlüssel, der dort Türen öffnet, wo Worte bisher eher als trennend denn als verbindend empfunden wurden.