Anleitung Übung: Zwiegespräch

nach einer Idee von Michael L. Moeller aus dem Buch „Die Wahrheit beginnt zu zweit“

Ein wichtiger Aspekt glücklicher Beziehungen ist das „Miteinander-Reden“ – das Sprechen über Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen, Erwartungen und Ängste. Um diesen Austausch zu fördern, entwickelte Michael Lukas Moeller die Zwiegespräche – bewusst herbeigeführter wesentlicher Gespräche, um der Beziehungslosigkeit in Beziehungen entgegenzuwirken.

Anleitung „Das Zwiegespräch“:

  1. Vereinbart mindestens wöchentliche Termine. Am besten gleich für 2-3 Monate, da die Regelmäßigkeit wichtig ist. 
  2. Der Termin soll Priorität haben und nur in Ausnahmefällen verschoben werden (dann macht euch gleich einen Ersatztermin aus). Für die Gespräche sucht einen ungestörten Raum und schaltet die Handy aus.
  3. Setzt euch im Zwiegespräch vis-a-vis gegenüber! Jeder soll auch eine Uhr in Sichtweite haben.
  4. Thema„Ich spreche von mir! Ich erzähle dir, was mich zurzeit am stärksten beschäftigt/bewegt.“ – „Ein Selbstporträt malen“ nennt Moeller das. Jeder bleibt bei sich selbst als Thema. Wenn über den anderen gesprochen wird (was natürlich erlaubt ist), dann nicht wertend, sondern die eigenen Empfindungen im Blick auf den Partner/in schildern. Gesprochen werden kann über jedes Thema – wichtig sind dabei nicht nur die Tatsachen, sondern vor allem die jeweiligen Gefühle, Wünsche, Hoffnungen, Sorgen, Ängste und Erwartungen, die damit in Verbindung stehen! 
  5. Entscheidet gemeinsam, wer beginnt! 
  6. Der/Die Beginnende hat 10 Minuten (können auch anfangs 5min und später 15min sein), um die eigenen Gedanken und Gefühle seiner/ihrem Partner/in mitzuteilen. Der/Die Zuhörer/in hört aktiv zu und achtet auf die Zeit. 
  7. Nach 10 Minuten wechselt die Rollen des Sprechers und Zuhörers. Das heißt ihr sprecht nacheinander und thematisch nicht (notwendigerweise) aufeinander bezogen. 
  8. Unterbrechen, Kommentieren (auch nonverbal) des Gesagten ist verboten! 
  9. Pünktlich beginnen – pünktlich aufhören! Sollte ein Partner die ihm zur Verfügung stehende Zeit nicht nutzen, entsteht eine Pause des Schweigens. Das darf sein. 
  10. Nach Ablauf des Zwiegespräches bleibt das Gesagte unkommentiert. Das Gespräch ist beendet. Ihr könnt euch ein Abschlussritual ausmachen wie zB. eine Umarmung, muss aber nicht sein. Frühestens am nächsten Tag darf die/der Partner/in darauf angesprochen werden, was gesagt wurde. 

Nützliche Grundhaltungen im „Zwiegespräch“:

Als Sprecher/in: 
  • Bei sich bleiben und ICH-Botschaften geben. 
  • Alles ist wichtig, was mich beschäftigt. So konkret wie möglich dabei werden.
  • Blickkontakt halten
  • Pausen aushalten 
Als Zuhörer/in:
  • Aktiv zuzuhören, keine Fragen stellen, nicht unterbrechen.
  • Sich auf das Gegenüber einlassen – achtsame, aufmerksame Haltung
  • Blickkontakt halten 
  • Den anderen ernst nehmen und seine Gefühle achten, auch wenn man nicht in allem zustimmt; Zuhören heißt nicht, mit allem einverstanden sein. 
  • Gefühle willkommen heißen und aushalten, nicht lösen, helfen oder trösten wollen, nicht bagatellisieren oder beruhigen wollen 
  • Pausen aushalten  

Die Regelmäßigkeit der Gespräche ist ein Geheimnis ihres Erfolges. Jeder geht der Frage nach: „Was bewegt mich zurzeit am stärksten?“ Es gibt kein anderes Thema im Zwiegespräch, als das eigene Erleben. Es geht darum, bei sich zu bleiben und den anderen in seiner Andersartigkeit kennen und annehmen zu lernen und immer wieder sein Bild vom Partner zu aktualisieren. Grundlage für Zwiegespräche ist die Einsicht: „Ich bin nicht du und ich weiß dich nicht“ und die Klarheit darüber „Ich bin für meine Gefühle selbst verantwortlich“.

Im Rahmen einer Paartherapie kann das Zwiegespräch geübt und nachbesprochen werden.

Ich freue mich, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen – Meine Praxis für Paartherapie liegt zentral in 1030 Wien.